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Thema: Zurück aus Tunesien und der Sahara

  1. #51
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    Auch ohne ATVs, die einem die Scoutarbeit abnehmen, ist es unerlässlich einen Weg durch das Dünenlabyrinth zu bestimmen. Hier stehe ich am Rande des Geschehens und schätze ab, wie ich dieses schwierige Stück Wüste mit dem Jimny am besten anfahren werde.




    Und die Passage hatte es wirklich in sich! Der Sand war sehr tief und sehr weich und die Dünen waren hoch (wenn auch nicht extrem hoch) sehr steil. Das schwierigste jedoch war das Fehlen von Anlaufzonen. Die Dünen mussten aus sehr kurzem Abstand angefahren werden, was in dem losen Sand zu sehr niedrigen Anlaufgeschwindigkeiten führte.

    Der Mitsubishi wurde Opfer dieser Umstände.




    Die Landys gingen ganz gut durch. Hier kann man sehr gut abschätzen, wie steil manche Dünen waren.




    Der Jimny hat seine Sache ganz gut gemacht. Das ein oder andere Mal brauchte ich zwei Anläufe, weil ich das Material schonen und nicht zu brachial fahren wollte. Festgefahren habe ich mich hier jedoch nicht, da ich immer rechtzeitig einen Fehlversuch abgebrochen hatte, während ich noch in der Steigung war. Auf diese Weise konnte ich immer wieder zurücksetzen. Mit viel Gas und Schwung bin ich dann rückwärts so hoch wie es ging auf die Düne gefahren, von der ich zuvor heruntergekommen war. Darauf ging es meistens direkt in den zweiten Gang, den Schwung die Düne herunter nutzend und so schnell, wie es eben möglich war, die nächste Dünensteigung wieder hinauf.

    Wenn oben, kurz vor dem Dünenkamm, noch zu viel Geschwindigkeit anlag, musste ich für einen wohldosierten Sekundenbruchteil den Fuß vom Gas nehmen, um nicht über den Dünenkamm zu fliegen und womöglich hinter der Düne hart aufzuschlagen.

    Hierin liegt eigentlich die Kunst der ganzen Sache. Das Timing entscheidet: Fuß zu früh vom Gas genommen und die Fuhre bleibt oben auf dem Kamm stecken. Bleibt man zu lange auf dem Gas und hat die Düne eine harte Abrisskante, schlägt am hart auf und riskiert Achs- und Aufhängungsschäden. Zusätzlich wird das Fahren dadurch erschwert, dass man nicht weiß, was hinter der Düne ist, bis man es gesehen hat. Ist dahinter ein Plateau mit tiefem Sand und hat man zu früh den Fuß vom Gas genommen, in der Erwartung man träfe auf eine Abrisskante, ist es auch schon wieder vorbei. So ist es dem Mitsubishi (siehe weiter oben) wohl ergangen.




    Als wir dann diese Schlüsselstelle hinter uns gelassen hatten, mussten wir uns erst einmal orientieren. Wieder war der Anblick der Wüste atemberaubend.

    In meiner Aufregung und Bewunderung hatte ich an dieser Stelle dann auch Gelegenheit eine weitere Lektion in Sachen Wüstenfahren zu lernen: Ich hatte meinen Jimny wirklich quälen müssen. Etliche Passagen ging es nur im ersten Gang mit Untersetzung und im Drehzahlbegrenzer voran. Das Auto musste arbeiten, wie noch nie zuvor. Als wir endlich eine Stelle gefunden hatten, die groß genug war, dass alle dort anhalten konnten, ohne dass die Hälfte der Fahrzeuge sich beim Anfahren eingegraben hätte, hielt ich an, stellte den Motor ab und bin erst mal auf eine Düne geklettert, um mich zu orientieren. Als ich nach ein paar Minuten wieder zum Auto kam und die Zündung einschaltete, sprang die Wassertemperaturanzeige förmlich in den roten Bereich. Der Motorblock nebst Krümmer musste eine höllische Temperatur angenommen haben. Leider läuft der Lüfter bei abgeschalteter Zündung nicht, so dass sich die Hitze in Motor und Motorraum infernalisch anstaut.

    Ich habe sofort die Zündung eingeschaltet und die Motorhaube geöffnet, um dem Wagen eine Abkühlung zu ermöglichen. Sofort ist der Lüfter angesprungen und hat mir eine Wolke kochend heißer Luft entgegen geblasen. Bei der Berührung der Windenstoßstange habe ich mich an dem heißen Metall verbrannt und selbst die Kotflügel hatten im Bereich der Motorhaube noch eine extreme Temperatur.

    Und wie ich mir so mein Bild von der Situation des Autos machte, wuchsen meine Sorgen ins Unerträgliche. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man bei so einer Unachtsamkeit schnell den ganzen Motor vernichtet. Hätte ich einen Turbolader gehabt, wäre dieser ganz bestimmt danach im Eimer gewesen. So hatte ich Glück. Als die Temperaturanzeige wieder im normalen Bereich stand, startete ich den Motor und alles war wie immer. Kein Leistungsverlust, kein Öl- oder Wasserverlust und bis zum heutigen Tag keine verdächtigen Geräusche, Gerüche oder Erscheinungen.

    Zwei Dinge hatte ich gelernt:
    1. Motor abkühlen lassen nach anstrengenden Passagen und
    2. Die Temperaturanzeige funktioniert wirklich! Bei letzterem hatte ich immer so meine Zweifel, da sich im Fahrbetrieb die Temperatur laut Anzeige niemals ändert.




    Nachdem also die Temperaturkrise überwunden war, ging es weiter mit dem Dünensurfen. Und was soll ich schreiben? Dieses ganze Gerede von Mensch und Maschine, von unendlicher Weite und dem sportlichen Ehrgeiz, den meistens Männer und manchmal auch Frauen hinter dem Steuer ihrer Boliden entwickeln – alles ist wahr! Ja, es ist noch viel besser, als es aussieht.




    Und der Jimny passt in diese Landschaft, wie sein stolzer Besitzer es sich nur wünschen kann! Was für ein Abenteuer!




    „Was für ein Abenteuer!“ Kaum Gedacht und schon blieben mir diese Worte in meinem trockenen, klebrigen Hals, wie heißer Wüstensand Sand stecken. Was sich da vor uns auftürmte setzte den bisherigen Strapazen die Krone auf. Da war plötzlich ein Dünenfeld, dass mindestens 50 Meter aus dem Dünenmeer herausragte. Und unser Weg führte mitten darüber hinweg.




    Wie durch ein Wunder schaffte der Pajero, der zuvor an diesem Tag den Bedingungen am wenigsten entgegen zu setzen hatte, die Überwindung des Hindernisses mühelos, während…




    …selbst unser Guide, der bisher weitgehend ohne Probleme überall durch gekommen ist, ist im pudrigen Tiefsand geradezu versunken ist.

    Über Funk riefen wir den 110er zur Hilfe.
    Cheers, TJ

  2. #52
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    Der wurde aber auf einmal selbst zum Opfer der Bedingungen und grub sich bis zu den Türen ein. Ab jetzt hatten wir nur noch ein Fahrzeug, das die beiden anderen hätte bergen können. Wenn das jetzt auch stecken bliebe, hätten wir ein Problem, denn selbst wenn der Jimny dorthin gekommen wäre, wo bereits die beiden anderen Fahrzeuge standen, mit meiner Winch hätte ich hier nicht viel ausrichten können. Der Pajero war schon längst außer Sicht und in Sicherheit und der Nissan würde sicher auch seine Probleme an dieser Stelle bekommen.

    Glücklicherweise konnten wir die Fahrzeuge dann mithilfe des silbernen Defenders und reichlich buddeln bergen.




    Und als die Autos endlich frei waren, machte ich mich daran zu erkunden, ob der Jimny an dieser Stelle überhaupt eine Chance hatte oder ob ich das Dünenfeld nicht besser umfahren sollte.

    Eine Umfahrung hätte mir die extrem hohe und steile Passage erspart. Allerdings mit dem Risiko, dass ich mehrere Kilometer weit durch kompliziertes Dünenlabyrinth ohne ein Begleitfahrzeug hätte fahren müssen. Vermutlich auch außerhalb der Reichweiten unserer Funkgeräte und dazu noch bei schaurigen Lichtverhältnissen.

    In den vergangenen Stunden war der Wind nämlich zu einem ausgewachsenen Sturm angeschwollen. Der Sand rieb auf der Haut und in den Augen wie Schmirgelpapier und das Licht der Sonne wurde zu einer gleißenden Photonensuppe verwirbelt.

    Saubere Navigation und sicheres Dünenfahren ist bei so diffusen Lichtverhältnissen und dem ewigen Wabern und Fließen des fliegenden Sandes kaum mehr möglich.

    Also entschied ich mich dafür, die Passage anzugehen. Womöglich würde mir die Entscheidung für die Umfahrung ja ohnehin abgenommen werden.

    Und so lief ich zum Auto zurück. Mein Beifahrer ist aus Gewichtsgründen direkt oben auf der Düne geblieben. Auch um mir die ideale Linie anzuzeigen, die wir zuvor festgelegt hatten.

    Vollgepumpt mit Adrenalin klemmte ich mich hinters Steuer meines Boliden, legte den zweiten Gang ein und fuhr los. Ich hatte nicht den kompletten Anlauf und so brachte ich es auf keine 20km/h, als ich die Steigung der ersten Düne erreichte. Mein erster Versuch scheiterte nach etwa fünf Höhenmetern, als der Motor unter der Last ausging. Zwanzig Höhenmeter waren es bis zu einem kleinen Absatz auf dem ich noch einmal etwas Schwung holen wollte, um den zweiten Teil des Anstiegs zu meistern. Danach kam ein längeres Stück mit verminderter Steigung, bis zum letzten steilen Stück des Dünenfeldes - Gesamthöhe etwa 50 Meter.

    Ich legte den Rückwärtsgang ein und trat voll aufs Gaspedal und ließ erst wieder los, bis sich der Jimny auf der gegenüberliegenden Düne rückwarts eingegraben hatte. Dann legte ich erneut den zweiten Gang ein und gab Vollgas. Ich brachte es auf etwa 30 km/h und etwa zehn Höhenmeter. Wieder fuhr ich, bis der Motor aus war.
    Also noch einmal Rückwärtsgang und für Anlauf sorgen. Als ich erneut im Rückwärtsgang zu stehen kam, sah ich auf dem Gipfel der Düne die wabernden Umrisse meiner Gruppenmitglieder stehen. Ich war das letzte Fahrzeug, das die Stelle meistern musste und ich glaube, dass alle genauso angespannt waren, wie ich.

    Diesmal entschied ich mich dafür, eine andere Linie zu fahren. Ich wollte neben der aufgewühlten Spur der anderen Autos und der meiner eigenen Versuche die Steigung erklimmen. Zwar wäre der Weg nach oben ein längerer gewesen und ich hätte leicht lenken müssen, doch dafür – so rechnete ich mir aus – auf festerem Sand. Wieder startete ich im zweiten Gang. Aber auch dieser Versuch scheiterte. Der festere Sand verhilft zwar tatsächlich zu höherer Geschwindigkeit aber das Lenken kostet wesentlich mehr Schwung, als durch den Untergrund gewonnen werden kann.

    Nachdem ich erneut zurückgesetzt hatte, war ich bereit für eine härtere Gangart. Wenn Schwung das richtige Rezept war, dann brauchte ich dafür so viel, wie möglich. Also legte ich erneut den zweiten Gang ein, trat das Gaspedal runter und ließ die Kupplung zügig kommen. Das brachte meine Kupplung zum stinken und vielleicht zwei Meter in der Höhe mehr.

    Mir war klar, dass ich für solche Manöver einen hohen Preis bezahlen könnte. Wenn mir die Kupplung durchbrennen würde, müsste ich den Wagen an dieser Stelle vermutlich aufgeben. Also ließ ich diese Strategie schnell fallen. Stattdessen versuchte ich den ersten Gang. Hier würde ich zwar keine hohe Geschwindigkeit erreichen aber dafür wenigstens mehr Kraft zur Verfügung haben. Ich trat voll aufs Gas. Der Motor heulte als er vom Drehzahlbegrenzer am sicheren Tod gehindert wurde. Und tatsächlich ging der Jimny diesmal nicht aus. Allerdings grub er sich auf halber Höhe ein und blieb stehen. Ich weiß noch, dass genau in diesem Moment einer meiner Mitstreiter durchs Funkgerät rief, ich solle mal einen anderen Gang ausprobieren. Ob ich denn schon den Dritten versucht hätte. Daraufhin habe ich dann irgendetwas Unverständliches ins Mikrofon gebrüllt. Ich weiß nicht mehr was ich gesagt habe aber ich hoffe, dass es wirklich unverständlich war.

    Immerhin hatte ich in diesem fünften Anlauf etwas gelernt. Die höhere Kraftübertragung des ersten Ganges benötigt mehr Traktion. Also startete ich den sechsten Versuch im ersten Gang und mit einer Linie auf unzerwühltem Geläuf. – es gibt Momente im Leben, da ist man einfach mächtig stolz auf den eigenen Ideenreichtum und die Fähigkeit in schwierigen Situationen den Überblick so zu behalten, dass am Ende alles gut wird. Und es gibt diese anderen Momente, wo man wilde Flüche ausstößt und im Nachhinein hofft, dass man nicht der einzige ist, der sich daran nicht mehr erinnern wird können. So war auch mein sechster Versuch ein Fehlschlag.

    Also setze ich unter dem Gejaule des gradverzahnten Rückwärtsganges wieder zurück. Diesmal blieb ich länger stehen – und ich dachte nach. Sämtliche Versuche bisher führten mich gerade bis zur Hälfte der ersten Steigung. Demnach war alles, was ich bisher gemacht hatte vollkommen untauglich. Es war ja nicht einmal knapp, sondern vollkommen untauglich. Ziemlich sicher war, dass es lediglich um Geschwindigkeit ging. Je höher diese sein würde, umso besser. Der Anlauf ließ aber im zweiten Gang keine höhere Geschwindigkeit und Drehzahl zu. Dafür war der Sand zu tief und der Motor zu schwach. Es fehlte einfach an Drehmoment – und zwar reichlich!
    Der erste Gang war gänzlich ungeeignet, da er einfach nicht genügend Geschwindigkeit bot. Zum Schalten war der Anlauf definitiv zu kurz. Der Schaltvorgang hätte so lange gedauert, bis ich im zweiten Gang wieder in der Steigung verreckt wäre. Nicht zu Letzt, weil das Getriebe keine harte Gangart mag und das Schalten vom ersten in den zweiten Gang nicht unbedingt besonders flüssig läuft. Ein wenig mehr Anlauf hätte das Problem gewiss gelöst aber der war aufgrund der Dünenverhältnisse nicht möglich. Also musste ich schneller schalten. Ich fasste mir nun ein Herz und legte den ersten Gang ein.

    Ich gab Vollgas und ließ gleichzeitig die Kupplung sehr schnell kommen. Die Räder gruben sich ein Stück ein doch aufgrund des Gefälles in dem ich stand nahm der Jimny recht schnell Fahrt auf. Als ich spürte, dass die Drehzahl kurz vorm Drehzahlbegrenzer stand, riss ich blitzartig den ersten Gang raus während ich die Kupplung trat als wäre es eine Vogelspinne, die ich gerade unter Schreien aus meinem Bett geschmissen hätte. Ohne die Bewegung meiner rechten Hand zu unterbrechen zog ich mit Gewalt und unter Missachtung jeglichen Feingefühls den zweiten Gang rein. Zeitgleich ließ ich die Kupplung bereits wieder fliegen. Während alledem klebte das Gaspedal wie angeschweißt auf dem Bodenblech. Der gesamte Schaltvorgang dauerte keine halbe Sekunde. Vielleicht dauerte er nur eine Viertelsekunde und tatsächlich beschleunigte der Jimny im zweiten Gang weiter. Als ich in der Steigung angekommen war, hatte ich eine Geschwindigkeit von knapp 40 auf dem Tacho. Ich brüllte meinen Jimny an, während er sich Meter um Meter nach oben arbeitete. Als ich endlich die Kante zum ersten Absatz sehen konnte, waren es noch vielleicht drei Meter in der ersten Steigung und ich spürte deutlich, dass sich die Geschwindigkeit nun dramatisch schnell abbaute. Mit Schrecken in den Augen sah ich die Nadel des Drehzahlmessers fallen. Als nur noch ein Meter zu bewältigen war, fiel die Drehzahl auf Standgas-Niveau. Ich verstärkte meine Brüllanstrengungen und ganz unwillkürlich versuchte mein rechtes Bein eine Wölbung in den Unterboden zu treten, um dem Gaspedal noch ein paar Millimeter zusätzlichem Spielraum zu verschaffen. Als die Vorderräder die obere Kante der ersten Steigung erreichten stotterte der Motor bereits. Meine Lungen waren leergeschrien und ich wagte trotzdem nicht einzuatmen. Bockend und mit fürchterlichem Brummen und vibrieren zog mein Suzuki die Hinterräder über die Kante.

    Mein rechtes Bein war mittlerweile aus Beton und ich würde zum Anhalten vermutlich den Zündschlüssel rumdrehen müssen, so sehr trat ich aufs Gas. Denn der Absatz auf dem ich mich befand war kurz und die nächste Steigung ähnlich schlimm, wie die erste. Vielleicht nicht ganz so steil aber immer noch furchteinflößend. Erst als der Wagen langsam Fahrt aufnahm, erlaubte ich mir, meine vakuumisierten Lungen wieder mit Luft zu füllen. Mit einem erstickten einatmen sog ich die heiße und sandige Luft ein, während mein Auto allmählich wieder zu Drehzahl kam.

    Doch die nächste Steigung kam zu schnell. Ich hatte keine 30 auf dem Tacho und wollte mich bereits in mein Schicksal fügen, als ich feststellte, dass der Sand hier oben so heftig vom Sturm angeblasen wurde, dass er unverhofft fest war und so erreichte ich tatsächlich auch den zweiten Absatz. Nun sah ich endlich die Mitglieder meiner Gruppe wieder, die mir alle den besten Weg zeigten. Da jedoch jeder seine eigene Vorstellung davon hatte, was der beste Weg sein sollte, war ich im ersten Augenblick ziemlich verwirrt. Meinen Beifahrer, auf den ich mich dabei konzentrieren wollte – so war es ja ausgemacht -, konnte ich in dem Sandsturm nicht erkennen. Gegen das Licht sahen meine Lotsen eher aus wie eine Schar zappelnder Scherenschnitt-Hampelmänner. Ich möchte dabei niemandem zu nahe treten aber das gleißende Licht und der fliegende Sand verwandelten die Konturen in Fransen und die Bewegungen in reine Unschärfe.

    Meine Verwirrung wich jedoch recht schnell der Erkenntnis, dass ich oder meine Helfer garkeinen Anteil an der Wahl des Weges zu treffen hatten. Ich hatte noch eine kleine Steigung zu bewältigen und da hinter dieser Steigung eine Tiefsandzone auf mich lauerte, die bereits einen Discovery und einen Defender verschlungen hatte, blieb ich weiterhin stur auf dem Gaspedal. Auf der angeströmten Fläche der Düne, auf der ich mich momentan befand, wurde der Jimny immer schneller und ließ sich immer schlechter kontrollieren. Zum Schluss schoss ich über den letzten Dünenkamm hinweg, schlug unsanft in dem Tiefsandfeld ein und orientierte mich an den Spuren, die aus dem Kessel wieder hinausführten. Ich hoffte einer der richtigen Spuren zu folgen und nicht einer der Spuren aufzusitzen, die von einem der havarierten Fahrzeugen stammte. Ich hatte Glück und traf die richtige Spur. Dazu musste ich zwar ein halsbrecherisches Lenkmanöver fahren, das mich in dem losen Sand fast aufs Dach geworfen hätte aber es passte. Ich kam aus dem Kessel mit dem tiefen Sand auf der rückwärtigen Seite wieder heraus.

    Das nun folgende Bremsmanöver in dem Gefälle des Dünenhanges war zwar nicht gerade wie aus dem Bilderbuch aber nichts im Vergleich zu meinem Aufstieg. Als ich dann ausstieg (ja, ich habe den Motor nicht ausgemacht) gab es Applaus und Jubel von allen anderen, die diesen Kampf mit verfolgt hatten und nun erleichtert waren, dass es alle geschafft hatten.




    Es ist bestimmt kein Seemannsgarn, wenn ich hier schreibe, dass diese erste Steigung keine zehn Zentimeter höher hätte sein dürfen.

    Die ganze Aktion hatte uns etwa zwei Stunden gekostet, bis alle Autos auf der anderen Seite waren. Da war mein Georgel mit weniger als zehn Minuten Zeitverlust noch vergleichsweise harmlos. Rückblickend kann ich dazu nur sagen, dass diese Passage in erster Linie Glück erforderte. Klar waren Motorleistung, Differenzialsperren und Erfahrung auch wichtige Faktoren aber letztendlich war es Glück, die Tiefsandzonen nicht zu erwischen, die ein paar der Fahrzeuge unseres Konvois regelrecht verschlungen hatten.

    Ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass wir bereits späten Nachmittag und ein Blick auf die Karte verriet uns, dass wir nicht einmal die Hälfte unserer Tagesetappe erreicht hatten. Eigentlich nicht einmal ein Drittel. Wir waren den ganzen Tag kaum mehr als zwanzig Kilometer voran gekommen. Diese Erkenntnis war für alle ziemlich ernüchternd und drückte auf Selbstbewusstsein und Stimmung. Der tosende Sandsturm in dem wir uns befanden, trug zu dieser Verfassung das seinige bei und alsbald war entschieden, dass wir an diesem Tag nur noch einen Lagerplatz aufsuchen würden, um irgendwie die Nacht zu überstehen.




    In einer Zone, die nicht ausschließlich aus Sand bestand, richteten wir dann unser Nachtlager ein. Dieses Mal waren die Dachzelte genauso schlecht dran, wie unsere Bodenzelte. Die hohen Windgeschwindigkeiten machten den Aufbau mühsam und knifflig. Und während die Dachzelte darauf angewiesen waren korrekt im Wind ausgerichtet zu sein, mussten wir uns mit unseren Bodenzelten auf die Suche nach einem geeigneten Platz machen.

    Schnell stellten wir fest, dass die kurzen und flachen Dünen des Gebietes keinen Schutz bieten würden. Im Gegenteil. An den Abrisskanten der Kämme löste sich der fliegende Sand und verwirbelte in dichten Wolken, so dass Gucken und Atmen schwer fielen. Auch wurde der Wind kaum gebrochen, sondern blies stattdessen aus wechselnden Richtungen. So lief ich einige Zeit umher, um den richtigen Stellplatz zu erspüren. Letztlich schien die Situation hinter einem der Büsche noch am besten zu sein. Zwar waren diese kargen Büsche keine effektiven Windbrecher, doch hielten Sie den Sand zurück.




    Also parkte ich das Auto neben dem Gebüsch mit den Vorderrädern auf einer kleinen Düne, damit nicht so viel Wind und Sand unter dem Auto herfliegen konnte. Kurz überlegte ich einen kleinen Wall aus Sand anzulegen, wie ich es von meiner Schneeschuhtour ein Jahr zuvor gelernt hatte. Im Schnee funktionierte das im Sturm immerhin ein wenig. Ich verwarf jedoch den Gedanken ganz schnell wieder, als ich mir vorstellte, wie schnell der Wind diesen Wall wieder abgetragen hätte. Also stapelte ich Koffer und Klappstühle hinter und neben dem Auto. Diese Gegenstände waren schwer genug nicht wegzufliegen.

    Das aufbauen der Zelte im Sturm war nicht leicht aber mit der richtigen Technik machbar.

    Auf dem Foto sieht man die Momentaufnahme eines Sandsturms. Die Sandkörnchen werden für einen Sekundenbruchteil vom Blitz im Bild festgehalten, kurz bevor sie in meine Augen fliegen.

    Tatsächlich waren die Augen das größte Problem. Nach kurzer Zeit im freien beginnt ein fieses Jucken, dass reflexartiges Reiben auslöst. Das Reiben führt fast schlagartig zu einem Zuschwellen der Augen und massivem Tränenfluss. Das Jucken weicht einem furchtbaren Brennen, das man nur bekämpfen kann, wenn man die Augen für mindestens eine Minute schließt. Auf das Brennen folgt dann wieder Jucken und so weiter. Ein Albtraum…

    Nachdem wir mit den Aufbauarbeiten fertig waren – mittlerweile war das schmutzige Licht der Abenddämmerung einem tiefen Blau gewichen – gingen wir zu der Wagenburg unserer Gruppe. Dort hatte man sich hinter die Autos gekauert, um ein sandiges Bier zu einem verdienten Abendessen zu erklären. Die Situation erinnerte mich an eine Szene aus Fear and Loathing in Las Vegas…

    Den Kocher auszupacken und etwas in einem Topf zu erwärmen war an diesem Abend nicht ratsam und wahrscheinlich auch gar nicht möglich. Also lief ich zum Auto und spendete ein halbes Kilo Erdnüsse. Ich erhielt dafür zwei Kannen köstliches Bier, die ich – wie ich es in Douglas Adams´ „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelernt hatte – im Schuss zu mir nahm. Die zu erwartende und auch erhoffte Wirkung, die das auslöste nach so einem Tag in der Wüste, ließ nicht lange auf sich warten und auf einmal war der Sturm und das Brennen in den Augen ganz erträglich. Nach ein paar blöden Sprüchen bin ich dann ins Bett gegangen und schlief den Schlaf der Gerechten im Sandsturm.




    Am nächsten Morgen war der Sturm bereits weitergezogen und es herrschte Stille in der Wüste.




    Die Zelte hatten den Belastungen Stand gehalten. Ich muss schon sagen, dass diese 25 EURO Wurfzelte einfach genial sind. Richtig abgespannt sind die nicht klein zu kriegen. Auch das tunnelzelttypische Flattern hatte sich in vertretbaren Grenzen gehalten.




    Als ich um das Auto herum lief, konnte ich sehen, wie sehr der Sturm gewütet hatte. Am Abend zuvor hatte ich den Jimny mit den Vorderrädern auf der Düne geparkt. Diese Düne war vor und um den Wagen fast komplett verschwunden und das Auto stand wieder ebenerdig.
    Cheers, TJ

  3. #53
    kommt jetzt öfter Avatar von general
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    Hallo TJ,
    klasse Bericht, nur würde ich die Sache mit den Nudeln überdenken. Für Nudeln brauchst du immer viel Wasser was dann weggekippt wird. Wenn du genug Wasser mitnehmen oder auffüllen kannst kein Problem. Das gleiche Problem hast du auch bei Trekkingnahrung welche man mit heißem Wasser einrührt.
    Ein gute Reserve Menge Wasser ist auch von Vorteil, da dir schnell mal Wasser für den Kühler fehlen kann.
    Ich selber nutze die Wassersäcke der Schweizer Armee, die Fassen 20L sind sehr robust und günstig, können wenn sie leer sind zusammen gerollt und verstaut werden. Dazu kann man den Sack auch als Dusche umbauen.

    Oft ist das Problem das bei Touren immer jeder alles mitnimmt und so Gegenstände wie z.B Werkzeug, Highlift, etc.. und so sind dann Genegstände 3-4 fach vorhanden. Man kann auch ein 2. Reserverad mitnehmen allerdings ohne Felge, spart Gewicht, in diesen Ländern kann dir jeder 2. ein Reifen auf die Felge ziehen.

    Gruß
    Marc
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  4. #54
    kommt jetzt öfter
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    Super Deine Tour!
    Und von Deinem Bericht und den Darstellungen bin
    ich wirklich beindruckt.

    Gruß
    Frank

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