Reden wir über... Allrad!

  • das ist ganz leicht und kurz erklärt:


    Wenn du in eine Kurve fährst, dann fahren die Vorderräder einen anderen (längeren) weg als die Hinterräder. Also hast du ungleiche Drehzahlen an den Kardanwellen.


    Daher die Verspannungen. Das betrifft das Verhältnis von VA zu HA, und nicht die Achse selber

  • das ist ganz leicht und kurz erklärt:


    Wenn du in eine Kurve fährst, dann fahren die Vorderräder einen anderen (längeren) weg als die Hinterräder. Also hast du ungleiche Drehzahlen an den Kardanwellen.


    Daher die Verspannungen. Das betrifft das Verhältnis von VA zu HA, und nicht die Achse selber

    Ahh okay, so habe ich es noch nie betrachtet. Ich hatte immer nur den längeren Weg des äußeren Reifens im Vergleich zum Inneren auf dem Schirm. Aber dieser wird dann sehr wohl mittels Differenzial in der Achse ausgeglichen egal ob 2H oder 4H, ist das korrekt?

  • Quangel

    Wenn du mal im Kreis fährst, dann wirst du von der Mittelstellung des Lenkrades bis zum Volleinschlag zwei ganze Umdrehungen machen können.


    Im Allrad-Modus (4H & 4L) gibt es auch die von dir vermuteten Verspannungen an der Vorderachse, diese sind auf festem Untergrund ab mehr als einer kompletten Lenkraddrehung spürbar und zwar in der Form als ob du beim Anfahren gleichzeitig voll auf der Bremse stehen würdest.


    Also wenn du mit starkem Lenkradeinschlag in 4H oder 4L auf festem Untergrund anfahren willst, dann hat man das Gefühl auf der Bremse zu stehen.


    Bei Fahrten im Gelände hat man diesen Effekt kaum bis gar nicht.

  • Quangel es verspannt sich nicht die Vorderachse selbst, sondern die Vorderachse zur Hinterachse.


    Im Verteilergetriebe gibt es keinen Drehzahlausgleich zwischen vorne und hinten.

    Die Vorderachse legt bei Kurvenfahrt aber IMMER einen kürzeren Weg zurück, als die Hinterachse.


    Bei eingelegtem Allrad wird die Kraft vom Verteilergetriebe jedoch auf die vordere und hintere Kardanwelle gleichermaßen übertragen, da es im VTG kein Differential gibt.


    Dadurch verspannt sich der gesamte Antriebsstrang, inklusive der Achsdifferentiale, der Steckachsen (diese verbinden die Diff's mit den Radnaben, befinden sich also im Achskörper), Freilaufnaben, Kardanwellen, Kreuzgelenke und letztlich auch Achsschenkel, Spurstange, Lenkschubstange und Lenkgetriebe.

    Denn durch das Verspannen wollen die Vorderräder nicht um eine Kurve fahren, sondern streben stets die Mittelposition an, also die Geradeausfahrt.

    Der Fahrer hält das Lenkrad jedoch mit aller Kraft fest und setzt damit das gesamte Lenksystem zusätzlich einer Belastung aus.


    Abgebaut werden kann die Drehzahldifferenz zwischen vorne und hinten nur über Schlupf an den Reifen (somit den Allrad nur auf losem Untergrund einschalten) oder über ein lautes "Knack, Ratter Ratter Ratter" :D

  • Ein nicht vorhandenes Mittendifferenzial wirkt wie ein vorhandenes gesperrtes Differezial. 🤣

    Das bezieht sich aber wieder auf die Verbindung Vorder- Hinterachse, oder nicht? Diesbezüglich habe ich die Problematik verstanden.


    Ich hatte nur den Beitrag von BlackCat so gelesen, als gäbe es darüber hinaus sehr wohl auch innerhalb der Vorderachse selbst eine Verspannung, die nicht damit zusammen hängt.


    Aber gerade wenn ich mir nochmal den Beitrag von RomanNamor durchlese (danke für die ausführliche Erklärung!) scheint es ja doch einfach am fehlenden Differenzial zwischen Vorder- und Hinterachse zu liegen. So hatte ich es jetzt zumindest verstanden!


    Und das bedeutet im Umkehrschluss ja dann: Wenn man beim GJ von einem dauerhaft gesperrten, da nicht vorhandenen Differenzial spricht, dann meint das zwischen den Achsen. Die Achsen selbst haben aber sehr wohl Differenziale, die sich lediglich teilweise durch elektronischen Eingriff "sperren" lassen.


    Verstehe ich das richtig? ^^

  • Richtig verstanden :thumbup:


    In den Achsen selbst gibt es zwar auch eine Verspannung, aber das liegt nicht an dem Drehzahlunterschied links-rechts (das gleichen die Diff's aus), sondern an dem Unterschied Vorderachse-Hinterachse.


    Somit will die Kardanwelle die Vorderräder schneller antreiben, als die es zulassen (gleiches gilt umgekehrt für die Hinterachse), also verspannt sich das ganze System.


    Wenn der Jimny ein Differential im VTG hätte, so würde es die Drehzahlunterschiede ausgleichen.

    Allerdings müsste es dann sperrbar sein, damit im Gelände nicht sofort die Antriebskraft verloren geht, sobald ein einzelnes Rad den Bodenkontakt verliert.


    Aus Kosten- und Platzgründen hat man sich bei Suzuki aber für die robustere und einfachere Lösung entschieden, einen Zuschaltallrad zu verbauen.

    Wäre ein Mittendifferential vorhanden, würde es sich um einen Permanentallrad handeln, nur um die Begriffe mal genannt zu haben. :):thumbup:



    Unnützes Wissen: in vielen Vergleichen zwischen Jimny und Lada Niva wird berichtet, der Jimny wäre ihm im Gelände unterlegen, da er keine Differentialsperre besitzt.

    Tatsächlich ist es aber so, dass der Lada ihm nur auf der Straße überlegen ist, weil der Ladafahrer auf Asphalt einfach die Sperre ausmachen und trotzdem die Vorzüge des Allradantriebs nutzen kann.

    Im Gelände funktionieren dann beide Systeme gleich:

    Lada gesperrt=Jimny nicht gesperrt

    (da dauerhaft gesperrt :D)


    Sorry für den zweiten langen Text, allen ein schönes Wochenende :thumbup:

  • Quangel

    Was ich bezüglich der VA schrieb bezog sich auf meine Erfahrungen mit Fahren im Allrad-Modus.

    Ich war mal mit Anhänger in Norddeutschland unterwegs und wegen der schmalen Strassen dort auf dem Lande und dem Problem beim Anfahren mit einer Seite im Grünstreifen fuhr ich dann mit 4H weiter.

    Später als ich eine 120° Kurve nehmen wollte, da ging es plötzlich nicht mehr vorwärts, so als ob ich zeitgleich auf der Bremse stehen würde, dies war auf einer asphaltierten Strasse und wegen der engen Kurve hatte ich das Lenkrad bis zum Anschlag voll eingeschlagen.

    Ob dies jetzt nun nur von der vorderen Kardanwelle zwischen VTG & VA kommt oder ob es auch in der VA eine Verspannung gibt, das kann ich dir leider nicht beantworten.


    Meine Aussage sollte lediglich ein Hinweis für das Fahren auf einer asphaltierten Strasse sein, wenn man das Gefühl hat auf der Bremse zu stehen, obwohl man eigentlich gerade erst anfahren will, dann kann es am aktivierten Allrad-Modus und zu starkem Lenkwinkel liegen.


  • ...es sei denn es handelt sich um den Niva "Bronto"...

    Der läßt den Jimny im Gelände nämlich immer und überall stehen.

    Er hat nämlich vorn und hinten ein LSD mit Schraubenrädern (entsprechend den Quaife-Sperren für den Jimny) verbaut...:yay:


    Gruß Pedant

  • Vielen Dank für die ausführlichen Antworten, wieder was gelernt!

    Auch ich wünsche allseits ein schönes Wochenende. :)

    die beiden Differenzial-Getriebe an den Achsen am Jimny kannst du gut erkennen, indem du dich unter das Fahrzeug legst - sie befinden sich jeweils dort wo die Kardanwelle mit der Achse verbunden wird;


    hilfreich für das Verständnis eines Differenzials finde ich zum Bsp Technik-Bausätze wie von Lego oder ähnliches;

  • Und ebenso ganz neu, verstärkte Steckachsen für den GJ / HJ!

    die dann die Diffs schrotten?

    Die zudem Wellen sind.

    Gab/gibt's für den Td5 und Td4 auch, dazu verstärkte Mitnehmer. Das Ende vom Lied muss ich nicht weiter erläutern...

  • hilfreich für das Verständnis eines Differenzials finde ich zum Bsp Technik-Bausätze wie von Lego oder ähnliches;

    Was Differenzialsperren überhaupt sind und machen habe ich auch genau so bei einem Youtuber gelernt, der es mit Lego Technik präsentiert und erklärt hat. :)