Der erste Jimny über den berüchtigten "van Zyl Pass", Namibia. To be, or not to be...

  • Danke für den tollen Bericht.

    Ich werde ja demnächst auch einen Würfel fahren. Überlege schon, ob ich den dann auf einen Anhänger stelle und hinter das Womo hängen

    Ist zwar ein riesiger Aufwand, aber wenn ich 2021 in die Mongolei fahre, könnte das den absoluten Spaßfaktor haben.

    Nächste Woche nach Marokko muss es noch ohne gehen.


    Frank

  • 2. Tag, Sonntag 24.11

    Nach erholsamer Nacht unter der unbeschreiblich schönen Milchstraße gab es um 6:00 locker einen Kaffee und wir bauten in aller Ruhe unser Camp ab. In der Nacht waren schwere Regenwolken aufgezogen, so mussten wir nicht in gleißender Sonne zusammen packen und konnten es ruhig angehen lassen. Der Wetterbericht sprach sogar von Niederschlägen bis zu 100 mm - ich hab das einfach ausgeblendet. Wenn uns solche Gewitterstürme im Pass erwischen sollten, wären wir im Eimer, soviel stand fest. "So what", es ist Namibia und der Regen, den das Land ganz nötig braucht, muss auch erst einmal fallen. Aktuell nervöser machte mich der halb platte Hinterreifen am Toyota hinten Links. Zudem hatte ich mit Marco abgesprochen, dass wir erst weiterfahren, wenn wir eine Lösung für den Hilux hätten, die Vorderachse aufzubocken und gegebenenfalls die vorderen Reifen sicher wechseln zu können. Dem High Jack aus Chinastahl wollten wir nicht mehr vertrauen. Nach kurzer Zeit kamen wir auf die Idee aus unserem Feuerholz, dem eisenharten Kameldornholz, eine Auflage für den Kopf des Wagenhebers zu fertigen. Das hat dann auch super funktioniert. Ich habe in meiner Survivalkiste eine sehr gute Klappsägen. Damit konnten wir das wirklich steinharte Zeug mit vereinten Kräften zusägen und danach gleich zum 2. mal Duschen gehen.:lol:

    Danach wurde hinten Links mit dem Kompressor aufgepumpt ohne nach der Ursache zu suchen, eine falsche Entscheidung wie sich später herausstellen sollte.

    Und schon ging es weiter.


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    Das Gelände steigt ständig an und die Schotterpad wird deutlich "ruppiger". Es liegen fast faustgroße Brocken auf dem Weg und das berüchtigte "Wellblech" kommt auch mehr und mehr. Das bedeutet aber nur das es im Würfel lauter wird. Das OME federt das alles klaglos weg.

    Wieder überholt mich ein Touri mit einem Landcruiser Mietwagen in einem "Affenzahn", schert auch wieder direkt vor mir ein und schmeißt heftig mit Steinen und Dreck. Hat mich " gefreut", dass er dabei auch noch freundlich gewunken hat. Abends hab ich dann ein fast faustgroßes Loch vom Steinschlag im Kühlergitter gefunden.... Ziemlich sauer schau ich seiner Staubfahne hinterher, warum können diese Leute nicht abschalten? Ist doch Urlaub.... wir sehen ganz frische Elefantenfährten von einer Kuh mit Baby und der Tante, links oben im Berg stehen einige Hartmannzebras, aber der Typ hatte wohl einen wichtigen Termin.


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    Wir kommen auf den Otjomatemba Pass zu und sind so auf ca. 1580 Höhenmetern. Der Würfel entwickelt sich mehr und mehr zu einem "Passisten". Wir haben schon den Boshua Pass mit ihm gemeistert, Otjomatemba vor der Nase und van Zyl steht dann auch noch an... hoffentlich.


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    Auf der linken Seite sieht man einen Rinderkral der Himba, (so nennt sich der Eingeborenenstamm) der hier lebt. Der Stärke des Zauns nach scheint es hier auch Löwen zu geben, oder sie schützen ihre Felder so gegen Elefanten.


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    Wir nähern uns Opuwo, einer etwas größeren Ansiedlung (Kreisstadt) mit Flughafen, Supermarkt und einer Tankstelle. Leider hat der linke Hinterreifen des Hilux jetzt die Nase voll und lässt seiner Luft einfach freien Lauf. Wir wechseln den Reifen bei gefühlten 55° und finden eine gute alte Spaxschraube 5 x 60, die er sich durch das volle Profil eingefangen hatte. Wegen der Hitze und der kurzen Entfernung wollten wir nicht selber flicken, sondern nach dem Tanken in Opuwo zu einem Reifendienst .


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    Eine tolle Gegend mit diesen alten, ausgewaschenen Randstufen.


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    In der Stadt selbst geht der berühmte "Punk" ab. Sonntag Nachmittag. Die einzige Tankstelle brechend voll, Chaos pur. Nach einer Viertelstunde waren wir in der Nähe einer Zapfsäule aber weit und breit war kein Tankwart zu sehen. Selfservice ist hier nicht. Zwanzig verschiedene Händler, Frauen, Kinder Bettler machten sich über uns her, zur Krönung bahnte sich noch eine dicke Ziege ihren Weg durch unseren Menschenauflauf und schlabberte erstmal einen Liter aus dem Scheibenwischwassereimer. Marco geht los und findet den Tankwart in der Bar bei einem "Cooldrink" und überredet ihn tatsächlich zu uns zu kommen. Nur für das Tanken haben wir über eine Stunde gebraucht und freuten uns schon auf den Reifendienst....


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    Immer locker bleiben..... Elfenbeinarmreifen! Bei genauer Betrachtung war es Gott sei Dank aber nur PVC-Wasserrohr....


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    Der Hof des Reifendienstes machte keinen vertrauenswürdigen Eindruck. Wir warteten schon 10 Minuten im Auto und am Hilux passierte nichts. Ich hatte eh schon Puls vom Tanken und schaute mal in die "Werkstatt". Komme da in die "Dunkelkammer", seh Marco´s von der Felge abgeholten Reifen und sehe wie Mister Pirelli verzweifelt versucht einen "Fahrradflicken !!!" von Innen in die Decke zu kleben. Aus! Diese OP wurde von mir auf der Stelle abgebrochen. Großes Palaver und Wallamahalla, der Typ hatte nichts. Keinen Reparaturset, noch irgendetwas und sah seinen Business auch noch entschwinden. Angesichts meiner Mimik, wollte er aber auch nicht wirklich Streit anfangen. Wir einigten uns darauf, das ich mein Reperaturmaterial kostenlos liefere und er es für 50 N$ dann vulkanisiert und den Reifen wieder auf die Felge zieht.... und aufpumpt. Er hat nicht mehr mit mir gesprochen, nur noch gearbeitet, hahaha. Ich kann aber auch böse gucken...:lol:


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    Nach einer weiteren halben Stunde war der Hilux wieder fit und die Götter schickten einen Gruß an die Einwohner, dieses Nest mal richtig sauber zu machen.


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    Meine Schadenfreude kam "Oben" aber auch nicht wirklich gut an und 12 km hinter Opuwo fing sich Marco wieder hinten Links ein schönes, scharfes Metallstück ein und wir durften in dieser "Affenhitze" wieder unters Auto zum Reifenwechsel. der Boden hat so ca. 60° über dir der Auspuff...., da kann man genau nachvollziehen wie sich ne Scheibe Cheddar auf einem Cheesburger im Ofen fühlt.


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    Unser Plan war am 2. Tag bis zu einem Campground kurz vor den "van Zyl Pass" zu kommen. Hier wollten wir uns einrichten und vom Basislager dann am 3. Tag erst einmal mit der Drohne den Pass erkunden um dann einen Plan zu machen wo und wie wir die Kameras positionieren. Durch das Tanken und die Pannen sahen wir unsere Zeit allerdings dahin schmelzen.

    Es gibt zwei Zufahrten zum Pass. Die Direkte heißt D3703, ist eigentlich die anspruchsvollere Route und führt von der Kreisstadt Opuwo über das Dorf Etanga zum Pass. Aber nach all den Problemen zog jetzt auch noch die Schwierigkeit des Geländes deutlich an.


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    Wir dachten mehr an die Dokumentation als an die eigentliche Aufgabe heile über den Pass zu kommen. Ein großer Fehler den Mama Afrika uns dann mal klipp und klar vor Augen geführt hat. Wir hatten mehr als 9 Stunden für genau 120 km benötigt. Irgendwie haben wir uns dann noch hinter dem Dörfchen Etanga verfahren und die Fahrt bis dorthin war schon der Hammer. Stellenweise Kategorie 8 und ohne Einweiser ging oft nichts. Wir fuhren nur noch nach Kompass, draußen waren gefühlte 55° in der Sonne daher haben wir kaum Außenaufnahmen. Es ging einfach nicht. Auf dieser Etappe bin ich über 2 Stunden am Stück in 4L in" L" gefahren. Wer hat das schon...


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    Eins stand fest, wir waren irgendwo im tiefsten Dschungel und mussten total erschöpft im letzten Licht unser Camp im "Nirgendwo" aufschlagen. Mein Frauchen hat noch versucht uns zu einem Campground zu führen, aber das Gelände wurde so anspruchsvoll, dass wir um 18:30 abbrechen mussten um im letzten Tageslicht die Zelte aufbauen zu können.


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    Ein Dschungeljimny .


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    Wir bauten uns ein gemütliches Camp, warfen den Grill an und ließen den Tag noch einmal Revue passieren. Wir hatten ein Plätzchen gefunden, so

    traumhaft schön, wie in einem Hollywood Movie. Wir waren auf einem Berg X , vor uns ein riesiges Tal in einem Mopane Wald von Horizont bis Horizont in absoluter Stille. Um 21:00 waren wir alle erschöpft, aber auch zufrieden, in den Schlafsäcken.


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    Am Horizont wartet der Pass irgendwo in den Bergen. Wir haben zwar einen vollen Tag verloren, aber Reserve haben wir genug, konnten also noch 2 Tage verdaddeln und somit locker bleiben.


    Fortsetzung folgt...

  • Macht beim Lesen Sehnsucht und Fernweh....


    Bei all euren Wagenheberabenteuern: ich schwör auf Hebekissen, die sinken nicht in den Matsch, rutschen nicht ab, unters Diff gesetzt kann man das Fzg damit seitlich versetzen, als "Fender" gegen seitlich in die Wand rutschen, etc und sie wiegen kaum etwas.


    Freue mich schon auf Tag 3:):)

    Es ist nicht leicht, in einem Forum wie diesem brauchbare Beiträge zu leisten.
    Schon ein einziger Buchstabendreher und alles ist uriniert.

  • 3. Tag Montag 25.11.

    Sonnenaufgang irgendwo im Busch mit herrlicher Dschungelmusik aus Unmengen an Singvögeln, Frankolinen (Rauhfußhühner) und einigen Warnschreien eines Pavians ganz in der Nähe. In der Nacht hatte es zweimal geregnet aber alles war schon wieder trocken. Kein Wunder bei 28° C morgens um 6:00 Uhr. Die Paviane müssen ganz in der Nähe ihren Schlafbaum haben, denn gegen 03:00 weckten mich ebenfalls heftige Warnschreie und Gezeter. Die Jungs hatten wohl Stress mit einem Leoparden, Bei den "Gefleckten" stehen sie ganz oben auf der Speisekarte.

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    Besorgt schaute ich zum Himmel denn es sollte doch heute über den Pass gehen und Gewitter war das Letzte was ich mir dazu wünschte. Kennt ihr den Spruch : erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt?

    Wir steckten zwar irgendwo im Busch, aber schön und spannend war es trotzdem. Nicht nur wegen dem Leo, wir hatten Abends jede Menge Skorpione in allen möglichen Größen und von harmlos bis tödlich um uns herumlaufen. Ich habe immer eine Schwarzlichtlampe dabei und die lässt die Jungs in hellstem Diso Neon erstrahlen.


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    Dieser war so ca. 13 cm und äußerst giftig. Faustregel: "Die mit schmalen Scheren töten mit Gift und essen mit Besteck :lol:, dicke Scheren, schwach giftig, lähmen nur und töten mit den Scheren."

    So an die 30 haben wir mit der Schippe aufgesammelt und in einiger Entfernung wieder in den Busch geworfen. Wenn die und die Schlangen laufen, gibt es Regen, das sind ganz sichere nabianische Bauernregeln, wenn auch ein bisschen der gruseliger Art. Aber was soll es, schließlich sind wir hier die Gäste in ihrem "Wohnzimmer". Marco machte gleich einige Luftaufnahmen von unserem" Scorpion Camp" in schöner "Alleinlage" mit unverbaubarer Fernsicht.


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    Da dies der einzige Weg war, hatten wir gar keine andere Chance als weiter Richtung unserer D 3703, der Landstraße die zum Pass führt, zu folgen.

    Es ging ganz schön zur Sache, gut, dass wir gestern abgebrochen haben....


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    Hier war nachweislich lange Zeit niemand mehr gefahren....


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    Ich war mal wieder in meiner "Lieblingseinstellung"


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    Das Gelände änderte sich ein einer Tour. Mal hatten wir Sandpad, dann wieder steinige Auf. - und Abfahrten, oder einen Mix von Allem.


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    Endlich erreichten wir die gesuchte Zufahrtstraße zum "van Zyl Pass". Wie gesagt, unter deutschen Gesichtspunkten eine Landstraße, also einen unter einer Bundesstraße. Ich habe absolut keine Ahnung was die hier auf den Straßenbauamt so rauchen bzw. einnehmen, aber eins steht fest, sie sollten auf alle Fälle viel weniger davon nehmen. Das hier eine "D- Straße" zu nennen ist wirklich ein Lacher. Laut Navi war es die richtige Straße, aber wir hatten keinerlei Ahnung auf welcher Höhe wir rausgekommen sind. Es musste irgendwann ein Himbadorf an der Pad liegen, von dort an würden wir wieder die Entfernung zum Pass ermitteln können. Einige Sektionen hatten wir bis hier schon mit "Einweiser" fahren müssen. Mein Frauchen und ich wechselten uns dabei ab. Es war schon wieder 40° und ging auf Mittag zu. Unser Plan, heute den Pass zu fahren löste sich buchstäblich in Schweißtropfen auf. Durch den Regen der Nacht hatte sich eine für Namibia echt untypische Schwüle entwickelt. Wir fuhren jetzt den dritten Tag und Afrika kratzte ganz schön an der Kondition. Wir beschlossen den Pass auf den nächsten Tag zu verschieben. Die "Außeneinsätze" in der Hitze waren echt sehr anstrengend. Na Mahlzeit.... wieder ein Tag weg. Unser Zeitplan war zum Teufel, aber wir wurden durch wirklich tolles Off-Road -Fahren in unbeschreiblich schöner Gegend mehr als entschädigt und das war ja der eigentliche Grund warum wir überhaupt hier waren.


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    Sogar Straßenschilder gab es, naja, zumindest eins.:lol: Immerhin deutlich sichtbar um den Verkehrsfluss nicht zu beeinträchtigen.


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    36 km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 km/h bedeutet irgendetwas von 6 - 7 h Fahrtzeit. Alles unter dem Motto : No Hurry in Africa". Ich fühle ich mich gut im Training mit dem Würfel weil sich die Geländeschwierigkeit die letzten drei Tage langsam immer mehr gesteigert hat. Persönlich hatte ich Schwierigkeiten die Spur der Beifahrerseite möglichst genau einzuschätzen, aber das habe ich auf dem Hinweg mit größeren Steinen auf der Pad einfach bewusst geübt und bin in dem Punkt jetzt viel sicherer geworden. Wir sind immer noch auf der Zufahrt und echt gespannt, was uns dann morgen am Pass so blüht.


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    Der "van Zyl Campground"

    Unter lauschigen hohen Kameldorn Akazien haben die dortigen Himba einen super Campground angelegt. Fließendes Wasser, Spülbecken, saubere Sanitäranlagen. Nur buchen oder reservieren kann man den nicht. Man fährt einfach hin, baut auf einer freien Parzelle (ca. 1.000 m²) auf und abends kommt dann der Häuptling und kassiert und verkauft noch Feuerholz. In der Region ist es üblich, dem Stammesoberhaupt eine Kleinigkeit zu schenken und wir hatten extra einige Kilo Maismehl für ihren geliebten "Millipap" und Süßigkeiten (ohne Papierverpackung) für die Kiddis dabei.

    Unsere Tagesetappe waren ca. 70 gefahrene Kilometer in 7,5 Stunden. Ich bin wieder über 3 Stunden in Lowrange "L" unterwegs gewesen und wir waren froh heute mal früher zur Ruhe zu kommen. Diese permanente Konzentration, schlauchte zusätzlich zur Hitze und dem anspruchsvollen Gelände doch sehr. Aber wir waren nur noch 4 km vorm Pass und freuten uns wirklich, es bis hierher geschafft zu haben und auf den morgigen Tag. So konnten wir die Sache ausgeschlafen und gut erholt angehen und ob er jetzt am Montag, Dienstag oder letztendlich am Mittwoch gefahren wurde ,war doch sowas von egal.


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  • Sehr sehr schön ... danke fürs Teilen.

    Anders sein...
    Leicht modifizierter Jimny Diesel: OME-Fahrwerk , Excenterbuchsen, 50mm Bodylift, 235/85R16 Federal Couragia auf 7x16 Vitarafelgen, 60mm Spurverbreiterung, Kürzere Differenziale, Automatische Sperre hinten, Scheibenbremsen hinten, Stabitrenner, Stahlflexbremsleitungen etc etc etc

  • Lieben Dank euch, mach ich gerne :) (wenn mich auch mein 2 MBit Anschluss dabei langsam aber sicher in den Wahnsinn treibt. Fotos gehen ja , aber die Videos.... Da wo mein Hausanschlusskabel liegt, schlafen und räkeln sich nachts die Nachbarskatzen auf der Trasse weil es da so schön warm ist.)